ARD-Hörspieldatenbank


Ars acustica



Thomas Meinecke

Tomboy


Komposition: David Moufang

Technische Realisierung: Wilfried Hauer, Ingrid Baudler, David Moufang


Realisation: Thomas Meinecke, David Moufang

Thomas Meinecke stellt in seinem neuen Hörspiel 'Tomboy' die Frage, ob denn die Aufspaltung der Geschlechter in Männer und Frauen wirklich so eindeutig ist, wie zumeist angenommen wird. Wie werde ich Frau? Wie werde ich Mann? Ist 'Tomboy', ein amerikanischer Ausdruck für ein burschikoses Mädchen, ein Schimpfwort oder ein Lob? Kann Luis Trenker lesbisch sein? Meinecke spürt den Irr- und Umwegen nach, wie die Geschlechterzugehörigkeit oder sexuelle Identität entsteht, wie sie von kulturellen Maßgaben geprägt wird und wie die Personen sie annehmen. Wird ein Mann zu einer Frau durch eine Operation oder durch die pure Behauptung, eine Frau zu sein? In 'Tomboy' werden einerseits neuere Schriften des Feminismus rezipiert, andererseits geht der Blick zurück bis zum Frauenfeind Weininger und Kirchenmann Augustinus. Es geht um die gesellschaftliche Situation der Frau, um Crossgender, male femaling, Transvestiten, den imaginären Phallus - und was an virulenten Diskursen noch durch die feministische Fachliteratur geistert und zu einiger Verwirrung in der traditionellen Philosophie beigetragen hat. Und in 'Tomboy' sind die Bücher ebenso wichtig wie die Anekdoten über ihre Autorinnen und Autoren. Meinecke macht den philosophischen Klatsch literaturfähig. In 'Tomboy' wird der Umgang mit der Theorie zu einer Art Tagebuch, denn auch schon die Theorie hat davon erzählt, wie sich das Geschlecht der Autorinnen und Autoren gebildet hat, jedes Ich hat ein anderes ausgeschlossen. Die Empfindungen lehnen sich an die Theorien der gender studies an, die über die Geschlechtlichkeit jenseits der Biologie nachdenkt, aber nie wird die Erzählung zu einem bloßen Abziehbild der Wissenschaft. Die Theorie eröffnet Wege, sich abseits gesellschaftlicher Konventionen ein Geschlecht zumindest zu denken und - in seltenen Fällen - es sogar auszuprobieren. So gelingt es Meinecke, das Unbehagen mit dem Geschlecht bei Männern und Frauen jenseits der Pubertät zu behandeln. "Wer bin ich?" weitet sich zu "Was bin ich?". Eine Figur sagt einmal vor dem Spiegel: "Das ist ich".

Thomas Meinecke, 1955 in Hamburg geboren, zog 1977 nach München und lebt heute in Oberbayern. 1978 war er einer der Gründer der Zeitschrift "Mode und Verzweiflung", 1998 erschien eine Auswahl seiner Beiträge als Buch. Meinecke spielt seit 1980 bei der Gruppe 'FSK' mit, seit 1985 arbeitet er als Moderator in Bayern-2-Radio. Von 1982-87 schrieb er für die 'Zeit', 1986 erschien eine Auswahl als Buch 'Mit der Kirche ums Dorf'. 1988 schrieb er als LCB-Stipendiat in Berlin die Erzählung 'Holz'; 1996 folgt der Roman 'The Church of JFK'. Hörspiele: 'Das Jüngste Gericht' (BR 1989, zusammen mit Thomas Palzer und Berg Lauchstaedt), 'Texas Bohemia' (BR 1993). Der Roman 'Tomboy' wurde mit dem Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds gefördert.

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Mitwirkende

Sprecher/Sprecherin
Thomas Meinecke

Musik: Karl Berger (Vibraphon)

 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Bayerischer Rundfunk 1998

Erstsendung: 04.12.1998 | 60'35


VERÖFFENTLICHUNGEN

  • CD-Edition: intermedium records 2000

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