ARD-Hörspieldatenbank


Originalhörspiel



Peter Huchel

Margarethe Minde


Komposition: Peter Zwetkoff

Technische Realisierung: Dietmar Hagen, Steffen Brosig


Regie: Ulrich Gerhardt

Nach langem Weg zu Fuß, von Innsbruck bis Tangermünde, tritt Grete Minde vor den Bruder ihres Vaters und verlangt die Herausgabe ihres Erbteils. Doch das ist längst dahin. Der ehrbare Ratsherr Heinrich von Minde sieht seine Existenz auf dem Spiel stehen. Nachts, als Grete schläft, kramt er das Testament aus ihrem Bündel und verbrennt es. Tags drauf schwört er vor der Ratsversammlung, es nie gesehen zu haben. Gretes Anspruch wird abgewiesen. In der Not tut sie sich mit dem Wegelagerer Tonnies Meilahn und seinen Kumpanenzusammen. Ein Erpressungsversuch schlägt fehl. Nur ohnmächtige Rache bleibt übrig, am 13. September 1617 legen sie Feuer. Tangermünde wird vollständig verwüstet. Der Prozeß gegen die Brandstifterin bringt zwar die Schuld des Ratsherrn zu Tage, doch Grete Minde wird zum Tode verurteilt und verbrannt. Fontanes in vieler Hinsicht frei fabulierte Novelle "Grete Minde" (1879) hat den Fall weithin berühmt gemacht. Peter Huchel, der mit seiner dramatischen Ballade fürs Radio ein halbes Jahrhundert später den Stoff wieder aufgreift, hält sich enger an die inzwischenpublizierten Prozeßakten. Am 22. Juni 1939 erlebte das Hörspiel beim Reichssender Leipzig seine bislang erste und einzige Sendung. 

Peter Huchel, 1903 in Lichterfelde geboren, studierte Literatur und Philosophie. Veröffentlichte seit 1924 Gedichte. Nach dem Krieg bis 1948 künstlerischer Direktor des Berliner Rundfunks (Ost), von 1948 bis 1962 Chefredakteur von "Sinn und Form", der wichtigsten DDR-Literaturzeitschrift. Verlor dieses Amt wegen angeblicher Tendenzen "ideologischer Koexistenz", erhielt Publikationsverbot und erreichte 1971 seine Ausreise. Lebte danach in Italien und Staufen i. Brsg., wo er 1981 starb. Während des dritten Reiches mehrere Hörspiele, u. a. "Margarethe Minde" (1935). Berühmt wurde erjedoch durch sein bedeutendes lyrisches Werk, zuletzt "Die Sternenreuse" (1967), "Gezählte Tage" (1972), "Die neunte Stunde" (1977).

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Mitwirkende

Sprecher/SprecherinRolle/Funktion
Annette ZiellenbachGrete Minde
Christoph ZapatkaMerten, ein Scholar
Dieter MannHeinrich von Minde
Gustl HalenkeFrau von Minde
Hilmar EichhornTonnies, ein Räuber
Ernst JacobiDer Fährmann / Der Henker
Wolfgang HinzeHelmreich
Klaus PiontekBürgermeister
Siegfried WorchEin Ratsherr
Käte JaenickeEine Magd
Reiner HeiseEin Reiter
Wolfgang WinklerBross, ein Räuber
Matthias BrennerHorneburg, ein Räuber
Jürgen MaurerBalbierer, ein Räuber
u.a.Bürger, Stadtsoldaten der Stadt Tangermünde


 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Mitteldeutscher Rundfunk / Deutschlandradio / Norddeutscher Rundfunk 1995

Erstsendung: 26.12.1995 | 70'57

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