ARD-Hörspieldatenbank


Ars acustica



Helmut Kopetzky

Ein Tag in Europa

hr2-Radiotag


Dramaturgie: Christoph Buggert

Regieassistenz: Heidrun Kopetzky


Realisation: Helmut Kopetzky

Das Wort Europa hat im letzten Jahrzehnt einen neuen Klang bekommen. Nach Ende des Kalten Krieges scheint erstmals die Chance zu bestehen, daß die auf diesem Kontinent zusammenlebenden Völker und Kulturen eine politische und wirtschaftliche Einheit bilden. Zugleich besteht die Gefahr, daß die europäische Einigung in rhetorischen Absichtserklärungen und bürokratischen Formalien stecken bleibt. Es lohnt sich, von vielen Seiten/in vielen Klängen/mit vielen Zungen über Europa zu reden. 'Ein Tag in Europa' ist das klingende Porträt des Erdteils, auf dem wir leben. Auf insgesamt fünf Aufnahmereisen, die ihn in sämtliche Regionen Europas führten, hat der international erfolgreiche Hörspiel- und Feature-Autor Helmut Kopetzky unseren Kontinent akustisch neu vermessen. Das Originalton-Material (insgesamt 360 Stunden) wurde in einem mehrmonatigen Mixing zu ca. 200 soundscapes von je 3 bis 8 Minuten Dauer verdichtet. Das 16-stündige Non-stop-Programm am 28. Februar 1999 stellt das Ergebnis der akustischen Forschungsreise erstmals dem Radiopublikum vor. Im Verlauf eines einzigen Tages wird der Hörer die Erkundung eines Kontinents miterleben, die in Wahrheit 168 Tage erforderte. Warum gibt es den Radiotag gerade jetzt? Ab Januar 1999 gilt für Teile unseres Kontinents eine gemeinsame Währung. Wenn heute in den Medien von Europa gesprochen wird, ist oft nur dieser Währungsverbund gemeint. Dabei handelt es sich bei dem "Unternehmen Euro" keineswegs schon um einen Zusammenschluß von kontinentalem Ausmaß. Europa ist weitaus größer/facettenreicher/sperriger. Und: Aufmerksamkeit verdient nicht bloß der Club der Reichen und "global players" unter den Bewohnern des Kontinents. Auch die angeblich Ärmeren sind mit Reichtümern ausgestattet, die sich hören lassen können. 'Ein Tag in Europa' wird den gesamten europäischen Kontinent hörbar machen. Es geht nicht um einen synthetischen Euro-Klang, vielmehr soll erlebbar werden, daß dieser Kontinent ein gigantisches, widersprüchliches und gerade auch in diesen Widersprüchen reizvolles Musik/Geräusch/Sprach-Instrument ist. Je deutlicher bleibt, daß dieser Reichtum durch die modernen Einigungsbestrebungen keineswegs gefährdet wird, desto leichter dürfte auch die politische Kooperation sich verwirklichen lassen. Der 16-stündige Radiotag in hr2 reiht die "akustischen Alltags-Geschichten europäischer Orte" (Helmut Kopetzky) aneinander, ohne zwanghafte Zusammenhänge zu konstruieren. Betont wird keine feste Reiseroute verfolgt, vielmehr wird ständig zwischen unterschiedlichen Gegenden hin und her gewechselt, auch über Zeitgrenzen hinweg. Als formales Muster dient die Zeitstruktur des Sendetages: vom Morgengeräusch bis zur akustischen Mitternacht.

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Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Hessischer Rundfunk 1999

Erstsendung: 28.02.1999 | 955'00


AUSZEICHNUNGEN

  • Prix Europa 1999 (Kategorie - Marktplatz für junge Ohren, vergeben vom Yleisradio)


REZENSIONEN

  • Götz Schmedes: Funk-Korrespondenz. 47. Jahrgang. Nr. 10. 13.3.1999. S. 28f. - Stefan Nickels: Hörwelt 2/99. S. 16f.

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