ARD-Hörspieldatenbank


Originalhörspiel



Gert Hofmann

Der Austritt des Dichters Robert Walser aus dem Literarischen Verein


Komposition: Peter Zwetkoff


Regie: Horst H. Vollmer

Die Geschichte, die hier in Form eines nächtlichen Zwiegesprächs erzählt wird, geht in geringfügiger Abwandlung auf überlieferte Begebenheiten zurück. Der damals schon über 50jährige Schweizer Dichter Robert Walser, vom "Literarischen Verein" zu einer Lesung nach Bern geladen, trifft nach einem 35 km langen Fußmarsch beim Vereinsvorstand, dem Kaufmann Gissinger ein. Nachdem er beköstigt worden ist, sollen Einzelheiten seiner Lesung besprochen werden. Dabei zeigt sich, daß die Beziehung des Bürgers zum Künstler viele Schattierungen hat, von freundlich-ironischer, gönnerhafter Distanz über den Besitzanspruch des Besitzenden gegenüber dem lebensschwachen Habenichts bis hin zur Klammertechnik des saturierten Biedermanns, dem die Musen lebenslang die kalte Schulter zeigen und der darunter leidet. Vertrackt ist das Verhältnis allemal. Der Besitzbürger redet von "Existenznot" und meint "Konkurs"; er glaubt, der Kunst (eigentlich: sich selbst) etwas schuldig zu sein, und ist im geheimen überzeugt, rechtens sei er der Gläubiger; er müht sich als redlicher Kaufmann um die Poesie, wie er's gelernt hat - als redlicher Kaufmann. Wie soll er den begreifen, der störrisch darauf beharrt, aus dem Leeren - seiner luftigen Phantasie - zu wirtschaften , und der sich seinen Eigen-Sinn nicht um Geld und gute Worte abkaufen lassen will?

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Mitwirkende

Sprecher/SprecherinRolle/Funktion
Hansheinz MoserRobert Walser
Ruedi WalterOskar Gissinger
Franz MatterSprecher
Rosemarie FendelAnsagerin


 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Hessischer Rundfunk / Radio Bremen / Süddeutscher Rundfunk 1980

Erstsendung: 20.11.1980 | 66'10

Darstellung: