ARD-Hörspieldatenbank


Hörspielbearbeitung, Monolog



Elfriede Jelinek

Jackie


Vorlage: Jackie (Theaterstück)

Technische Realisierung: Wilfried Hauer, Susanne Herzig

Regieassistenz: Anja Scheifinger


Regie: Karl Bruckmaier

Eine ehemalige Heroine Amerikas, ein längst verstorbenes Idol, ruft aus dem Jenseits die Toten an. Dabei erschafft sie ein Bild von sich selbst, sie prüft Inhalt und Form ihrer Rolle, sie inszeniert sich als Kunstwerk. Mit biografischen Fakten und einem permanenten Vergleich mit Marilyn Monroe, Jackies stärkster Gegenspielerin, umkreist Jelinek in ihrem Hörspielmonolog Jacqueline Bouvier (1929 - 1994), die Witwe des US-Präsidenten John F. Kennedy und des griechischen Milliardärs Aristoteles Onassis. Ein Leben voller Glanz und Glamour, Bedeutung und Behauptung, Schicksalsschläge und Schocks. Das konzentrierte Textgebilde zieht immer engere Kreise um die Person, äußert sich immer deutlicher über die Eigenwahrnehmung des Charakters, die Einschätzung des politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehens, die Analyse der Familienverhältnisse. "'Ein Zombie hing am Glockenseil' hieß einst ein billiger italienischer Horrorfilm. Jelineks Zombie heißt Jackie und hängt am Glockenseil seiner Erinnerungen, sitzt auf einer Parkbank im Jenseits; wie 'Forrest Gump' hat dieser Zombie seinen Unterkiefer ausgehängt und lässt den Text laufen. Elfriede Jelinek nimmt diesen Zombie an, lässt ihn sich ausheulen, lässt ihn vertrackte Wortakrobatik treiben, lässt ihn die Schrecknisse eines Menschenlebens unbarmherzig im trüben Drüben wieder erleben. Die Regie vertraut sich dem Text ganz an, lässt ihn kreisen, gar rotieren, lässt ihn scheinbar sinnfrei mäandern bis zum Delirium; ideal für diesen Ansatz ist die Stimme von Marion Breckwoldt, die Jelineks Zombie-Sentenzen durch die Inszenierung wälzt als wären sie Bonmots, wie sie eben beim Kaffeeklatsch einer First Lady fallen. Schlechte Stimmung also im Jenseits, aber alle Anwesenden haben guten Grund dazu." (Karl Bruckmaier) Das Theaterstück "Jackie" ist die Episode "Der Tod und das Mädchen IV" der Prinzessinnendramen von Elfriede Jelinek.

Elfriede Jelinek, geboren 1946 in Mürzzuschlag/Steiermark verfasst Romane, Theaterstücke, Libretti, Drehbücher und Hörspiele. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln (1986), den Georg-Büchner-Preis (1998) und den Berliner Theaterpreis (2002). Zu ihren Hörspielen gehören u.a. "Die Jubilarin" (BR 1978), "Burgteatta" (BR/ORF 1991), "Präsident Abendwind" (BR 1992), "Todesraten" (mit Olga Neuwirth, BR 1997) sowie "er nicht als er" (BR 1998).

Karl Bruckmaier, geboren 1956 in Pfarrkirchen, ist DJ, Journalist und Hörspielautor. Zu seinen Hörspielen zählen "Art" (BR 1989), "Front" (BR/HR 1989), "Index" (BR 1990), "Kimako's Blues People and the Nuyorican Poets Café present" (Mit Miguel Algarin/Amiri Baraka, BR 1994), "'Dann aber wird ein Dichter an ihm verlorengegangen sein' - Mutmaßungen über Jakob van Hoddis" (BR 2002).

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Mitwirkende

Sprecher/Sprecherin
Marion Breckwoldt


 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Bayerischer Rundfunk 2002

Erstsendung: 03.11.2003 | 55'33


VERÖFFENTLICHUNGEN

  • CD-Edition: Hörsturz Booksound 2004


AUSZEICHNUNGEN

  • Hörspielpreis der Kriegsblinden 2004
  • Deutscher Hörbuchpreis 2005 (Beste Interpretation)
  • hr2-Hörbuchbestenliste August 2004 (1. Platz)


REZENSIONEN

  • Eva-Maria Lenz: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 03.11.2003. S. 40. - Frank Kaspar: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 26.02.2004. S. 41. - Jochen Hieber: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 21.08.2004. S. 34. - Hans-Ulrich Wagner: Funk-Korrespondenz. 52. Jahrgang. Nr. 10. 05.03.2004. S. 3-6. - N. N.: Süddeutsche Zeitung. 26.02.2004. S. 19. - Konrad Heidkamp: Die Zeit. 15.07.2004. - Gaby Hartel: Taz. 28.02.2004. - N. N.: Neue Zürcher Zeitung. 23.06.2004. S. 46. - Eva-Maria Lenz: Neue Zürcher Zeitung (Internationale Ausgabe). 28.02.2004. - N. N.: Funk-Korrespondenz. 52. Jahrgang. Nr. 10. 05.03.2004. S. 27. - N. N.: epd medien. Nr. 44. 09.06.2004. S. 17. - N. N.: epd medien. Nr. 15. 28.02.2004. S. 24.

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