ARD-Hörspieldatenbank


Originalhörspiel



Michaela Melián

Föhrenwald


Komposition: Carl Oesterhelt, Michaela Melián

Redaktion: Barbara Schäfer

Dramaturgie: Barbara Schäfer

Technische Realisierung: Hans Scheck, Angelika Haller

Regieassistenz: Christina Hänsel


Regie: Michaela Melián

Ein Panorama setzt sich in Gang: Der Adolf-Hitler-Platz wird zum Independence Platz, wird zum Kolping-Platz, die Siedlung aber bleibt die gleiche. Die 1937 in den Isarauen gebaute Mustersiedlung Föhrenwald hat eine wechselvolle Geschichte, die sich in der Benennung ihrer Straßen und Plätze abbildet. In den Jahren 1940-45 war die geschlossene Siedlung ein Lager für die Arbeiter der Munitions- und Pulverfabriken in Geretsried. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Föhrenwald unter amerikanischer Militäraufsicht zum Auffanglager für "displaced persons", heimatlose Ausländer. Bis Mitte der fünfziger Jahre lebten dort europäische, meist polnische Juden, Überlebende des Holocaust, die auf eine Ausreise nach Israel oder Amerika hofften. Ab 1955 zogen in Föhrenwald neue, erstmals freiwillige Bewohner ein, kinderreiche Familien und Heimatvertriebene, die sich Siedler nennen. Mélian sieht den Ort als Ergebnis kultureller, ethnischer, technologischer, ökonomischer und medialer Konstruktionen. Das "Projekt Föhrenwald" erzählt die Geschichte der Siedlung als Hörspiel, das selbst den Soundtrack für eine begehbare Föhrenwald-Installation bildet, die in Frankfurt im Juli 2005 und in München im September 2005 eingerichtet und vom "kunstraum münchen" präsentiert wird. Die Stimmen des Hörspiels berichten aus den verschiedenen Phasen der Siedlung, sie sind in Text und Ton den Originalaufzeichnungen entlehnt. Die Musik verwendet als Ausgangsmaterial Fragmente, oft nur das Rauschen und Kratzen von Schellackplatten mit Aufnahmen von Kompositionen von Bach, Beethoven, Schubert, Mendelsohn-Bartholdy und Donizetti. Diese Tonträger waren in den Jahren 1931-35 von Schallplattenfirmen verlegt worden, die mit dem Jüdischen Kulturbund assoziiert waren. Zur Ausstellung der Kunst-Installation Föhrenwald erscheint ein Katalog, dem auch die CD des Hörspiels beiliegt.

Michaela Melián, geboren 1956, lebt in Oberbayern. Sie ist bildende Künstlerin und Musikerin. Sie studierte Kunst und Musik in München und London. Melián ist Mitglied der Band "FSK". Auf der "intermedium 2" (2002) war sie mit dem Projekt "Konvent" vertreten (mit David Moufang und Thomas Meinecke). Eine Ausstellung der Werke Meliáns war zuletzt in den Kunstwerken Berlin, der Kunsthalle Baden-Baden, in der Werkleitz Biennale Halle, im Kunstverein München, in der Villa Arson Nizza und in der Galerie im Taxispalais Innsbruck zu sehen. Ihre jüngsten Publikationen sind der Katalog zum gleichnamigen Projekt "Triangel" und die CD/Doppel-LP "Baden-Baden".

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Mitwirkende

Sprecher/Sprecherin
Philip Götz
Leonie Hofmann
Gabriel Hecker
Marion Breckwoldt
Peter Brombacher
Eva Gosciejewicz
Hans Kremer
Anna Barbara Kurek
Stefan Merki
Stephan Zinner


Zeichung der Siedlung Föhrenwald | © BR/Michaela Melian

Zeichung der Siedlung Föhrenwald | © BR/Michaela Melian


Zeichung der Siedlung Föhrenwald
© BR/Michaela MelianZeichung der Siedlung Föhrenwald
© BR/Michaela Melian



PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Bayerischer Rundfunk / kunstraum münchen 2005

Erstsendung: 04.07.2005 | 55'13


VERÖFFENTLICHUNGEN

  • CD-Edition: intermedium records 2006


AUSZEICHNUNGEN

  • Hörspiel des Monats Juli 2005
  • Hörspielpreis der Kriegsblinden 2006
  • ARD-Online-Award 2005


REZENSIONEN

  • Stefan Fischer: Süddeutsche Zeitung. 04.07.2005. S. 19. - Eva-Maria Lenz: epd medien. Nr. 54. 13.07.2005. S. 24. - N. N.: Funk-Korrespondenz. 53. Jahrgang. Nr. 34. 26.08.2005. S. 39. - Holger Liebs: Süddeutsche Zeitung. 25.11.2005. S. 18. (Zur Installation "Föhrenwald" und dazugehöriger Buchpublikation) - Waldemar Schmid: Funk-Korrespondenz. 53. Jahrgang. Nr. 48. 02.12.2005. S. 6-8. - Kito Nedo: taz. 02.11.2006. S. 15.

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