ARD-Hörspieldatenbank


Sendespiel (Hörspielbearbeitung)



Hans José Rehfisch

Wer weint um Juckenack

Tragikomödie in drei Akten


Vorlage: Wer weint um Juckenack (Theaterstück (Tragikomödie))


Regie: Alfred Braun

"[...] Der Dramatiker von heute greift zur Form der Komödie um sich mit einem befreienden Lachen von den lastenden Eindrücken des Weltkrieges zu lösen. Er sucht die Figur, über die man lachen kann, und er stößt in seinem Lustspiel "Wer weint um Juckenack?" auf eine besondere Form des Kleinbürgertums, deren stärkstes Kennzeichen die tiefe Ehrfurcht vor der besitzenden Klasse ist. Das Ganze ist eine Erbschaftskomödie, die aber bis zur Bekundung einer gewissen Weltanschauung erweitert ist. Juckenack ist der Typ des kleinen Angestellten, der über keine sehr starken geistigen Fähigkeiten verfügt. Er kommt  auf die Idee, sich zu fragen, wer wohl einmal um ihn weinen wird, wenn er stirbt. Um auf diese Frage Antwort zu bekommen, stellt er sich tot und muß  nun die Erfahrung machen, daß es keinem Menschen einfällt, ihm ernstlich nachzutrauern und daß sein Tod höchstens zu Erbschaftsstreitigkeiten Anlaß gibt. Diese Handlung, die ebensogut den Stoff zu einer Tragödie hätte liefern können, wird durch einen scharfen und drastischen Dialog und durch eine sehr humoristische Zeichnung der Hauptfigur zu einer wirklich lustigen, leicht faßlichen Komödie gestaltet." (N. N.: Der Deutsche Rundfunk. 5. Jahrgang. Heft 27. 3. Juli 1927. S.1853)

"Die gut gesehenen und klar gezeichneten Figuren, die bühnenmäßige Wirkungssicherheit der Situationen und die anspruchslose Art der Dialogführung hatten dem Werk eine starken Erfolg gesichert, der sich in zahlreichen Ausführungen auswirkte. Wir haben von der Bühnenaufführung her das Stück eigentlich komödienhafter in der Erinnerung. Die mit zahlreichen komischen Einzelheiten durchsetzte Zeichunhg des Milieus und der Charaktere, besonders der Hauptfigur, hatte uns damals die Problemfassung eher als eine heitere erscheinen lassen, und auch die an sich ernsthaft gemeinten Dispute über das Leben nach dem Tode auf die ewige Seligkeit hatten auf der Bühne den Beigeschmack einer heiteren Ueberlegenheit. Dieses lustige Element schein uns in der Rundfunkaufführung etwas in den Hintergrund gerückt zu sein. Den ersten Monologen Juckenacks und besonders der großen Aussprache mit dem Staatsanwalt fehlte es im Senderaum an der nötigen Leichtigkeit, die auch den ersten Dingen immer den komischen Hintegrund beläßt, der die Bezeichnung Tragikomödie rechtfertigt. Das lag zum Teil an Paul Graetz. Dieser Schauspieler hätte in der Rolle sicher ein Bestätigungsfeld seiner komischen Begabung finden können, auch ohne zu übertreiben, aber er schien die Rolle tragischer aufzufassen als sie wohl im Grunde gemeint war. Dabei muß allerdings gesagt sein, daß er für die Darstellung dieses auf der Suche nach letzten Dingen befindlichen Menschen wirklich ergreifende Töne fand."  (N. N.: Der Deutsche Rundfunk. 5. Jahrgang. Heft 29. 17. Juli 1927. S.1988)

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Mitwirkende

Sprecher/SprecherinRolle/Funktion
Paul GraetzJuckenack
Elsa WagnerFrau Nagel, Hausbesorgerin
Erich RieweDr. Lotz, Staatsanwalt
Till KlokowLina
Alfred Johann BraunEdmund Walter
Albert FlorathVon Marstedt, Versicherungsagent


Alfred Braun als Intendant des SFB, 1954 | © dpa/Bratke

Alfred Braun als Intendant des SFB, 1954 | © dpa/Bratke


Alfred Braun als Intendant des SFB, 1954
© dpa/BratkeAlfred Braun als Intendant des SFB, 1954
© dpa/Bratke



PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Funk-Stunde AG (Berlin) 1927

Erstsendung: 06.07.1927 | ca. 90'00


Livesendung ohne Aufzeichnung


Auswahl "Sendespiel" nach Kurt Pinthus: Fünf Jahre Berliner Rundfunk.


Darstellung: