ARD-Hörspieldatenbank


Hörspielbearbeitung



Walter Serner

Letzte Lockerung


Vorlage: Letzte Lockerung (Prosa)

Komposition: Zeitblom

Redaktion: Katarina Agathos, Herbert Kapfer

Technische Realisierung: Boris Wilsdorf


Realisation: Zeitblom

Letzte Lockerung. Ein Handbrevier für Hochstapler und solche, die es werden wollen, diese "glänzende Analyse des Zeitalters des vollendeten Nihilismus" (Jörg Drews) schrieb Walter Serner 1918. 1920 veröffentlichte er den ersten Teil als dadaistisches Manifest. Erst 1927 kam ein weiterer Teil dazu und das Werk erhielt seinen Untertitel. Die Letzte Lockerung bietet Hinweise zu allem, worüber Kosmopoliten informiert sein sollten, darunter Menschenkenntnis, Reisen und Hotels, Männer, Frauen, Kleidung und Manieren, Elementares und sonderlich Wichtiges. Serner wirft mit diesem Ratgeber für Dandytum und anarchischem Hedonismus Schlaglichter auf eine moralisch verkommene Gesellschaft und feiert die Individualität. Neben unausführbaren Handlungsanweisungen (womit er den Situationisten einige Jahrzehnte vorgegriffen hat) stehen scharfsinnige Analysen politischer Zustände und lakonisch formulierte Welterkenntnisse. Sieben Motti stellt er Teil 1, acht Motti Teil 2 voran. Dazwischen eingestreute Lieder zu völlig anderem. Den roten Faden bildet die Zerstreuung, das Enzyklopädische. "Walter Serners Lektüre als letzte Lockerung vor der Auflösung der Strukturen. Dirk von Lowtzows Stimme als Bindeglied zwischen Serners geistreich und kühl aggressiver Hochstapler Lyrik und einer minimalistischen Elektrosymphonie. Lieder als bis ins Detail fragmentierte Tracks, werden zerhackt, aufgeladen mit Disharmonien, abgebrochene Rhythmen, melancholische Melodielinien, verfilterte Soundschleifen, eingestreute Störsignale und Rauschen. Ein A-Capella Stil - erst einstimmig, dann zweistimmig, um in einem mehrstimmigen Chor zu münden, unterlegt von sich endlos wiederholenden Sounds in variierenden Schattierungen. Der zerebrale Rausch, in dem diese Lektüre geschieht, kann nicht groß genug sein', schrieb Walter Serner, der zerebrale Rausch, der beim Hören entsteht, sollte es ebenso sein." (zeitblom)

Walter Serner (1889-1942) wurde in Karlsbad als Walter Seligman geboren und im Vernichtungslager Maly Trostinez bei Minsk ermordet. 1909 konvertierte er vom Judentum zum Katholizismus und nahm den Nachnamen "Serner" an. Seine ersten Werke zu Theater und Bildender Kunst veröffentlichte er in der väterlichen "Karlsbader Zeitung". 1912 siedelte er nach Berlin über und studierte dort Jura. Es folgten weitere Veröffentlichungen in der Zeitschrift "Die Aktion". 1914 siedelte er in die Schweiz über. Er arbeitete für die Zeitschrift "Der Mistral"  und reiste zwischen Italien, Paris, Genf und Zürich. In Zürich hatte er Kontakt zu den dortigen Dadaisten. Serners Manifest gilt als Vorlage für Tristan Tzaras in französischer Sprache verfasstes "Manifest Dada 1918". Nach seiner Abkehr von den Dadaisten veröffentlichte er zahlreiche Werke zum Teil in Privatdruck, u.a. "Die Tigerin" (Roman), "Der Pfiff um die Ecke" (Erzählsammlung), "Die tückische Straße; Posada oder der große Coup im Hotel Ritz". Nach den ersten  antisemitische Attacken 1925 zog er sich 1927 ins Privatleben zurück. 1938 heiratete er Dorothea Herz. Ab 1939 unternahm er mehrere Versuche, nach Shanghai auszuwandern. Während seiner Arbeit als Sprachenlehrer im Prager Ghetto kam es am 10. August 1942 zur Deportation nach Theresienstadt, wenige Tage später nach Minsk.

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Mitwirkende

Sprecher/Sprecherin
Dirk von Lowtzow


 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Bayerischer Rundfunk 2012

Erstsendung: 02.11.2012 | 56'39


VERÖFFENTLICHUNGEN

  • CD-Edition: intermedium records 2014


AUSZEICHNUNGEN


REZENSIONEN

  • Jochen Meißner: Ziemlich schön hochgestapelt. In: Funkkorrespondenz. 16.11.2012. S. 29.

 

 

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