ARD-Hörspieldatenbank


Hörspielbearbeitung, Monolog



Paul Scheerbart

Der verliebte Antierotiker - Ein unbekanntes Kapitel aus dem Leben des Dichters Paul Scheerbart (3. Teil)


Vorlage: Briefwechsel

Bearbeitung (Wort): Mechthild Rausch

Technische Realisierung: Günter Heß


Regie: Hartmut Geerken

"Der Schriftsteller Paul Scheerbart (1863-1915), der vom Leben im Glashaus und der Vereinigung mit Himmelskörpern träumte, gab sich in seinen Büchern als entschiedener Verächter der Erotik aus. Er meinte, daß die geschlechtliche Liebe ihn in die Niederungen der menschlichen Existenz bannen und seinen Höhenflug in kosmische Phantasiewelten behindern würde. Verglichen mit der Anziehungskraft der Himmelskörper erschien ihm die erotische Attraktion zwischen Menschen als Lappalie. Auch in der Praxis verhielt er sich als strikter 'Antierotiker': Die lebenslange Hausgemeinschaft mit seiner um fünf Jahre älteren Zimmervermieterin Anna Scherler, genannt 'der Bär', galt allgemein und zu recht als leidenschaftslose Onkelehe'. Tatsächlich verbarg sich hinter der Maske des 'Antierotikers' ein unglücklich Liebender. Sein Herz hing zeitlebens an seiner Jugendliebe Rosa Gerlach, die einem seiner Freunde den Vorzug gegeben hatte. Nach fünfzehnjähriger Trennung nahm die frustrierte Ehefrau mit dem mittlerweile als Schriftsteller arrivierten Scheerbart wieder Kontakt auf, aus dem sich ein leidenschaftlicher Briefwechsel entwickelte. Die Liebenden entschlossen sich, ihre Ehepartner zu verlassen und endgültig zusammenzuleben. Doch nach einem halben Jahr war der Traum beendet. Rosa Gerlach kehrte reumütig - aus Pflichtgefühl, wie sie sagte - zu ihrem Mann und den beiden Söhnen zurück. Scheerbart verarbeitete die Episode in dem Roman 'Münchhausen und Clarissa', in dem Rosa als achtzehnjährige Unschuld und er selbst als hundertachtzigjähriger, dem geschlechtsfähigen Alter entwachsener Greis auftreten. Über das tatsächliche Geschehen hat keiner der Beteiligten ein Wort verlauten lassen, und so ging Scheerbart auch als asketischer Liebesverächter in die Literaturgeschichte ein. Erst durch das Auftauchen seiner Briefe an Rosa Gerlach wurde das trügerische Selbstbild korrigiert. Sie sind in der Briefsammlung '70 Trillionen Weltgrüße' veröffentlicht. Scheerbarts Liebesbriefe an Rosa Gerlach bilden das sprachliche Gerüst dieses Hörspiels in drei Teilen." (Mechthild Rausch)

A
A

Mitwirkende

Sprecher/Sprecherin
Manfred Bolbach


 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Bayerischer Rundfunk 1992

Erstsendung: 13.01.1993 | 22'06


Darstellung: