ARD-Hörspieldatenbank


Originalhörspiel, Kurzhörspiel


ARD PiNball

Top Five - die nominierten Stücke 2015


Leo Hofmann, Anastasia Ioannidis

Sekundenschlaf

Eine Radiowellen-Navigation



Regie: Leo Hofmann

Das experimentelle Hörstück "Sekundenschlaf - eine Radiowellen-Navigation" jongliert mit der Semantik von Geräuschen und Klängen. Den szenischen Ausgangspunkt bildet dabei der Innenraum eines Autos, in dem die Stimme eines Navigationsgeräts dem Fahrer und den weiteren Zuhörern Richtungsanweisungen gibt. Nachdem der Fahrer durch die monotonen Anweisungen plötzlich einnickt, führt ihn die Stimme weiterhin sicher durch seinen Sekundenschlaf. Über die Stimme entspinnt sich aus der Haltung der direkten Ansprache ein Spiel mit der Performativität und dem Zeichencharakter von Hörspielen: Wie realistisch muss eine Hupe oder das klappernde Besteck klingen? Welche Autonomie liegt in den Geräuschen oder lässt sich eigentlich alles mit allem in Beziehung setzen? Die Stimme probiert es aus und führt uns und den Fahrer nacheinander durch drei Entwürfe voller Geräusche, elektronischer Klänge und Stimmen, bevor der Fahrer jäh aufschreckt und sich am Zielort wiederfindet. Damit wird das Medium des Hörspiel als "innerer Hörraum" thematisiert und ironisch gebrochen.

Leo Hofmann (geboren 1986) komponiert und spielt musiktheatrale Bühnenwerke, Klang-Performances und experimentiert mit hörspielartigen Formen. In seinen Arbeiten steht die Stimme als klingendes und performatives Ereignis im Mittelpunkt sowie die Suche nach Haptik und Körperlichkeit in Musik. Nach Abschluss seines Master-Studiums "Contemporary Arts Practice" an der Hochschule der Künste Bern im Jahr 2013 erhielt Hofmann den Giga-Hertz Förderpreis für elektronische Musik des ZKM Karlsruhe, das Klangkunst-Stipendium der HBK Braunschweig, sowie den Medienkunstpreis Oberrhein. Zusammen mit dem Hamburger Opern-Regisseur Benjamin van Bebber gründete er 2015 das "Institut für angewandtes Halbwissen", welches sich als künstlerische Forschungs- und Produktionsgemeinschaft an bestehenden Institutionen und Festivals temporär installiert, musiktheatrale Interventionen vornimmt und nach den Möglichkeiten zuhörender Partizipation an zeitgenössischer Musik fragt.

Anastasia Ioannidis, geboren 1987 in Zürich, studierte von 2008 - 2013 Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Zürich. Vor und während des Studiums hospitierte und assistierte sie in den Bereichen Regie und Dramaturgie am Schauspielhaus Zürich, am Theater Neumarkt, am Theater Chur, und am Studiotheater bat in Berlin, u.a. bei Antú Romero Nunes, Karin Henkel, Dominic Huber, Markus Öhrn und Hans Block. Momentan studiert sie im MA Dramaturgie an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin.

Seit zehn Jahren veranstalten ARD und Deutschlandradio im Rahmen der ARD-Hörspieltage einen Wettbewerb für freie Hörspielproduktionen, den ARD PiNball. Ausgezeichnet wird das beste Kurzhörspiel, das außerhalb der Rundfunkanstalten produziert worden ist und bislang nicht veröffentlicht wurde. Die Einreichung darf max. 15 Minuten lang sein. Die Preisvergabe findet am 14. November in der "Nacht der Gewinner" während der ARD-Hörspieltage 2015 statt.

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Mitwirkende

Sprecher/Sprecherin
Leo Hofmann
Anastasia Ioannidis


 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Leo Hofmann / Anastasia Ioannidis 2015

Erstsendung: 13.10.2015 | SWR2 | 11'29


VERÖFFENTLICHUNGEN

  • CD-Edition: Buchfunk Verlag 2016


AUSZEICHNUNGEN

  • Internationaler Hörspielwettbewerb Leipziger Hörspielsommer 2016 (Beste Idee)

Darstellung: