ARD-Hörspieldatenbank


Ars acustica


Every Time A Ear Di Soun

Radiokunstreihe von documenta 14 und Deutschlandradio Kultur


Gilles Aubry, Robert Millis

The Gramophone Effect



Realisation: Gilles Aubry, Robert Millis

"Grammophoneffekt" nannte Jacques Derrida das Spannungsverhältnis zwischen dem Wunsch nach Festhalten einer Erinnerung und der Unmöglichkeit, lebendige Stimmen als solche zu bewahren.

Ausgehend von historischen Berichten einiger Pioniere der Tonaufzeichnung wie Theobald Noble und Fred Gaisberg – letzterer machte 1902 die ersten Tonaufnahmen in Indien – widmet sich der Klang-Essay "The Gramophone Effect" von Gilles Aubry und Robert Millis dem Aufnehmen und Zuhören. Der Ausdruck bezeichnet sowohl die entfremdende Gegenwart aufgezeichneter, wiederabgespielter Stimmen als auch das Verwandlungspotenzial dessen, was ungehört bleibt. In Abgrenzung zum unverhohlenen Exotismus in Nobles Beschreibung nutzen die Künstler noch andere Quellen, darunter Übersetzungen traditioneller bengalischer Lieder, einen Essay des Klangkünstlers Farah Mulla, Auszüge aus einem Gespräch mit dem Khasi-Volksmusiker Kerios Wahlang und einen meditativen vom Text des Lakshmi-Tantra ausgehenden Gesang. "The Gramophone Effect" entstand Anfang 2016 aus einer Zusammenarbeit von Gilles Aubry und Robert Millis mit mehreren indischer Künstlern während eines gemeinsamen Künstleraufenthalts. Das Werk enthält außerdem frühindische Schellackaufnahmen, Feldaufnahmen aus dem Grenzgebiet zwischen Indien und Bangladesch, Klänge von Instrumentenbauern und Musikern in Bengaluru und Kalkutta sowie Improvisationen von Gilles Aubry und Robert Millis auf einem akustischen Grammophon.

"Every Time A Ear di Soun" ist eine gemeinsame Radiokunst-Ausstellung von documenta 14 und Deutschlandfunk Kultur. Sie zeigt 30 neue Hörstücke von internationalen KünstlerInnen. Diese Klänge werden von acht Rundfunksendern auf der ganzen Welt ausgestrahlt - und sie erscheinen im Klangkunstprogramm von Deutschlandfunk Kultur während des documenta-Zeitraums vom 8. April bis 17. September. Der Titel der Ausstellung ist einem Song des jamaikanischen Dub-Poeten Mutabaruka entlehnt. Er bedeutet "Immer wenn ich den Klang höre".

Gilles Aubry lebt als Klangkünstler und -forscher in Berlin. Viele seiner Arbeiten basieren auf Recherchen historischer und kultureller Aspekte von Klangprdoduktion und -rezeption. 2016 gewann er den European Sound Art Award vergeben vom Skulpturenmuseum Marl und WDR3.

Robert Millis, geboren 1966 in New York City, ist Musiker, Produzent und Klangkünstler. Bekannt wurde er mit seinen Arbeiten für das Label "Sublime Frequencies" und als Gründungssmitglied der Experimentalgruppe "Climax Golden Twins". Sein Interesse gilt frühen, akustischen Aufnahme- und Vervielfältigungstechniken, insbesondere der Wachswalze und der Schellackplatte. 2012 und 2013 forschte er als Senior Fulbright Research Scholar über indische Musik und Klangkunst in Indien.

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Mitwirkende

Sonstige Mitwirkende
Gitanjali Dang, Usha Deshpande, Renee Lulam, Farah Mulla

Ensemble Musik: Travelling Archive


 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

documenta 14 / Deutschlandradio 2017

Erstsendung: 18.08.2017 | Deutschlandfunk Kultur | 44'30


Darstellung: