ARD-Hörspieldatenbank


Hörspielbearbeitung



Guido Morselli

Dissipatio humani generis oder Die Einsamkeit


Vorlage: Dissipatio humani generis (Roman)

Übersetzung: Ragni Maria Gschwend

Bearbeitung (Wort): Michael Krüger

Komposition: Florentin Berger-Monit, Johannes Wernicke

Dramaturgie: Michael Becker

Technische Realisierung: Corinna Gathmann, Angelika Körber

Regieassistenz: Sarah Veith


Regie: Henri Hüster

Am 2. Juni um 2 Uhr morgens verschwindet die gesamte Menschheit, lautlos und ohne Spuren zu hinterlassen. War es eine Pandemie? Eine Naturkatastrophe? Der Dritte Weltkrieg? Zurück bleiben deren Sachen und Tiere, die sich schon bald mit wachsender Furchtlosigkeit hervorwagen, um die Erde wieder in ihren Besitz zu nehmen. Übriggeblieben ist außerdem: ein einziger Mensch, ein Einzelgänger, der mit der Welt nicht zurechtkam und sich in ebendieser Nacht, der Nacht vor seinem 40. Geburtstag, das Leben nehmen wollte. In einer paradoxen Umkehrung wird der verhinderte Selbstmörder nun zum einzigen Repräsentanten menschlichen Lebens, zur Menschheit schlechthin. Offen bleibt dabei die Frage, ob er, der einzig verschont Gebliebene, ein Auserwählter oder ein Verdammter ist.

Geschrieben kurz vor dem Freitod des Autors, am 31. Juli 1973, ist „Dissipatio“ ein visionäres Porträt unserer heutigen Zeit, ein philosophisches Vermächtnis und das Testament eines großen italienischen Solitärs.

Michael Krüger "erinnerte" sich in der NZZan Morsellis Roman, der insbesondere vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und der Vereinsamung, die viele Menschen im Lockdown erfahren mussten, sowie der Klimakrise ein gegenwärtiges Plädoyer für ein Innehalten ist: "Wir sind nicht dazu geschaffen, ganz allein zu sein. Wir können es uns vorstellen, aber nicht sein […] Nie war die Welt so sauber und so leuchtend wie jetzt, da eine gewisse Gattung Zweifüßler aufgehört hat, sie zu gebrauchen."  In den vergangenen Monaten erschienen Besprechungen des wiederentdeckten Werkes auch in The New Yorker, der New York Times oder der LA Review of Books. Michael Krüger hat nun Morsellis intime und sich typischen Science Fiction-Schablonen entziehende "Last Man On Earth"-Story, die im August 2021 im Suhrkamp Verlag neu veröffentlicht wurde, für das Radio eingerichtet.

Guido Morselli, geboren 1912 in Bologna, aufgewachsen in Mailand, war der Sohn eines wohlhabenden Unternehmers und promovierter Jurist. Er schrieb zahlreiche Romane und Essays, keiner davon wurde je von einem Verlag zur Publikation angenommen. 1973 nahm er sich, kurz nach der Niederschrift von Dissipatio, das Leben, ein Jahr später begann der renommierte Verlag Adelphi Morsellis Gesamtwerk zu publizieren.

Michael Krüger absolvierte eine Verlagsbuchhändler- und Buchdruckerlehre. Daneben besuchte er Veranstaltungen der Philosophischen Fakultät als Gasthörer an der Freien Universität Berlin. In den Jahren von 1962-1965 lebte Michael Krüger als Buchhändler in London. 1966 begann seine Tätigkeit als Literaturkritiker. Zwei Jahre später, 1968, übernahm er die Aufgabe des Verlagslektors im Carl Hanser Verlag, dessen Leitung er im Jahre 1986 übernommen hat. Seit 1981 ist er Herausgeber der Literaturzeitschrift Akzente. Im Jahr 1972 veröffentlichte Michael Krüger erstmals seine Gedichte, und 1984 debütierte er als Erzähler. Es folgten weitere zahlreiche Erzählbände, Romane, Editionen und Übersetzungen.

Thiemo Strutzenberger absolvierte sein Schauspielstudium am Max Reinhardt Seminar in Wien und war bereits währenddessen im Ensemble des Burgtheaters. Anschließend wechselte er an das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg und an das Theater Neumarkt in Zürich, bevor er 2010 Ensemblemitglied am Schauspielhaus Wien wurde. Er schloss den Masterstudiengang für Gender Studies an der Universität Wien ab. 2021 erhielt Thiemo Strutzenberger für seine darstellerische Leistung in Stefan Bachmanns Inszenierung "Graf Öderland" den 3sat-Preis.

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Mitwirkende

Sprecher/Sprecherin
Thiemo Strutzenberger


 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Norddeutscher Rundfunk / Deutschlandradio 2021

Erstsendung: 29.09.2021 | NDR Kultur


REZENSIONEN

  • Stefan Fischer: Wunderbar tönender Rückzug. In: Süddeutsche Zeitung vom 29.09.2021. S. 31.
  • Stefan Fischer: Ich bin, also denke ich. In: Süddeutsche online vom 28.09.2021.

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