ARD-Hörspieldatenbank


Hörspielbearbeitung



Anonym, Ruth Johanna Benrath

PSALM / aus der tieffen

Hörstück


Vorlage: Die Bibel (in der Luther-Übersetzung) (Textsammlung)

Übersetzung: Martin Luther

Komposition: Dietrich Petzold

Redaktion: Stefan Kanis

Technische Realisierung: Holger König, Christian Grund

Regieassistenz: Matthias Seymer


Regie: Stefan Kanis

Vor 500 Jahren hat Martin Luther die Bibel ins Deutsche übertragen. Besonderes Augenmerk richtete der Theologe auf das Buch der Psalmen: „Wilstu die heiligen Christlichen Kirchen gemalet sehen mit lebendiger Farbe vnd gestalt / in einem kleinen Bilde gefasset / So nim den Psalter fur dich / so hastu einen feinen / hellen / reinen / Spiegel / der dir zeigen wird / was die Christenheit sey“. Ein halbes Jahrtausend später liest die Lyrikerin Ruth Johanna Benrath diese Spiegelbilder von Luthers Lebensende her: „Luthers letzte Sätze / fuchtelnde Handbewegungen über der Bettdecke / Seraphim, Cherubim / sammeln sich in der Zimmerecke“. Der Mund ist trocken, die Zunge steht in Flammen. Doch was ist geleistet, was ist erkannt? Wer kann den göttlichen Weg, diese «Irrfahrt», verstehen, wer sie ohne Anmaßung in Worte fassen? Luthers Bilanz heißt: Demut. Eine Schlussfolgerung, die Benrath nur bedingt ins Heute verlängern will. Sich den Tonarten der Psalmen – Klage und Lobpreisung – anschmiegend sucht sie eine hinreichend brauchbare Position in der unbehausten Gegenwart: „Der Mensch ein Strich / in der Landschaft ein Punkt / ein Strichpunkt / ich / Pünktchen / Handschrift Gottes / Luft zwischen den Buchstaben / Atem“. Wie kann ein Transfer von Sinn und Übersinn in Sprache gelingen? Hatte Luther in der Übertragung aus dem Lateinischen vor allem die Übersetzung des Spirituellen, des Transzendenten, des Glaubens in den gelebten Alltag gesucht, so stärkt die Autorin in der Auseinandersetzung mit Luthers Schriften dem gegenwärtigen Ich, dem „Strich in der Landschaft“ den Rücken: „Schreiben heißt / Rütteln am Firmament / sich aus Trotz über den Rand des Universums lehnen.“ Durch das Hörstück zieht die Frage, wie wir uns das Dasein tagtäglich übersetzen, uns ins Leben setzen.

Ruth Johanna Benrath (geboren 1966 in Heidelberg) schreibt Gedichte, Romane, Hörspiele und Theatertexte, konzipiert Audio-Walks und ist Teil des Text-und-Klang-Duos „Gezinkte Sterne“. Sie promovierte nach einem Studium der Germanistik, Philosophie und Geschichte 2004 über das Selbstverständnis von Geschichtslehrkräften aus der DDR vor und nach 1989. Ihr Hörspiel „Geh Dicht Dichtig!“ wurde von der Jury der DADK zum „Hörspiel des Jahres 2019“ gewählt. Sie erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, darunter den Münchner Lyrikpreis 2021 für „PSALM / aus der tieffen“. Der MDR produzierte zuletzt ihr Hörstück: „BLUME WOLKE VOGEL FISCH“ (2021).

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Mitwirkende

Sprecher/Sprecherin
Inga Busch
Birte Schnöink
Ulrich Noethen


Inga Busch und Birte Schnöink (v.l.) | © MDR/Olaf Parusel

Inga Busch und Birte Schnöink (v.l.) | © MDR/Olaf Parusel

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Inga Busch) | © MDR/Olaf Parusel

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© MDR/Olaf Parusel



PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Mitteldeutscher Rundfunk 2022

Erstsendung: 23.05.2022 | MDR KULTUR | 31'31


AUSZEICHNUNGEN

  • Nominiert für den Deutschen Hörspielpreis der ARD 2022


REZENSIONEN

  • Stefan Fischer: Das Recht auf Selbstbestimmung. Glaube oder Gene, Herkunft oder Habitus: Was macht den Menschen aus? Vier Hörspiele haben dazu pointierte Haltungen. In: Süddeutsche Zeitung vom 20.05.2022. Medien. S. 22.

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