ARD-Hörspieldatenbank


Sendespiel (Hörspielbearbeitung)



Max Bernstein

Die grüne Schnur

Eine heitere Szene


Vorlage: Die grüne Schnur (Theaterstück)

"Der brave Bauer Huber war im Wirtshaus eingeschlafen und mußte beim Erwachen feststellen, daß ihm sein Geldbeutel gestohlen worden war, sein schöner Geldbeutel mit der grünen Schnur. Und Geld war darin und eine Quittung über eine eben bezahlte Rechnung. Während er noch über den Verlust grübelte, sieht er aus der Tasche eines Gastes die grüne Schnur heraushängen, er reißt sie heraus, und zum Vorschein kommt sein Geldbeutel. Aber diese Selbstjustiz findet nicht die Anerkennung der Anwesenden; man hält ihn für einen Dieb, entreißt ihm den Geldbeutel wieder, verprügelt ihn jämmerlich und wirft ihn zur Tür hinaus. Nun sitzt er geknickt im Zimmer des Landrichters, um an maßgebender Stelle sein Recht zu erkämpfen. Nach längerem Warten erscheint dann auch der Herr Landrichter, der irdische Richter, wie er sich selbst im Laufe der Verhandlung nennt, und nimmt den guten Huber in ein Kreuzverhör, dem er nicht im mindesten gewachsen ist. Schon über die grundlegenden Fragen können sich Richter und Kläger nicht einig werden. Einer versteht die Sprache des anderen nicht. Eine schwere Meinungsverschiedenheit entsteht über die Höhe des Geldbetrages, der sich im Beutel befunden haben soll. Aber der Landrichter versteht auch bei diesem Falle, dem Huber die gesetzlich maßgebende, einzig richtige Auffassung beizubringen, zu der sich der arme Kläger bekennt, wie zu allem, was sein irdischer Richter ihm klar macht, so daß schließlich der arme Geprügelte nicht als Kläger, sondern als Angeklagter dasteht, nicht als Bestohlener, sonder als Dieb, der einem anderen den Geldbeutel aus der Tasche gezogen hat. Huber, der ohnehin schon sehr ungeduldig ist über die lange Verhandlung, weil er zum Markt will, läßt alles über sich ergehen und zahlt den beiden von ihm Angeschuldigten noch eine Entschädigung, damit sie sich zufriedengeben und keine Klage gegen Huber erheben. Das ist die ausgleichende Gerechtigkeit. Nach dieser schweren Sitzung begibt sich der Herr Landrichter zum Frühschoppen, und Huber zieht von dannen, voll innersten Dankgefühls gegen den Richter. Die kleine Szene ist voll Humor und Lebendigkeit und wird sicher ihre Wirkung auf den Hörer nicht verfehlen." (Die Norag, 6. Jg., Nr. 38 vom 20. Sept. 1929, S.3)

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Mitwirkende

Sprecher/SprecherinRolle/Funktion
Karl PündterDer Landrichter
Siegmund HaagSein Schreiber
Ernst PündterEin Bauer


 


Hörspiel historisch (vor 1933) - © DRA/Hanni Forrer


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

NORAG - Nordische Rundfunk AG (Hamburg) 1929

Schwäbisch-Bayrisch-Steirisches

Erstsendung: 22.09.1929


Livesendung ohne Aufzeichnung


Grundlage der Datenerhebung: Der Deutsche Rundfunk (Programmzeitschrift); Die Norag (Programmzeitschrift)


Darstellung: