Hörspielbearbeitung

Autor/Autorin: Rainald Goetz

Reich des Todes

Vorlage: Reich des Todes (Theaterstück)
Bearbeitung (Wort): Henri Hüster, Rainald Goetz
Komposition: Florentin Berger-Monit, Johannes Wernicke
Dramaturgie: Michael Becker
Technische Realisierung: Christian Alpen, Manfred Faust
Regieassistenz: Jördis Trauer, Alina Rohrer

Regie: Henri Hüster

  • Weitere Mitwirkende

    Sprecher/SprecherinRolle/Funktion
    Edith SaldanhaGeschichte/Erzählerin/Presse
    Fabian HinrichsPräsident Grotten
    Burghart KlaußnerVizepräsident Selch
    Samuel WeissPrivatsekretär Pinsk
    Andreas SpaniolChefjustiziar Dr. Banzhaf
    Werner WölbernGeheimdienstdirektor Thurgau
    Maria SchraderSicherheitsberaterin Frau von Ade
    Michael WittenbornJustizminister Sebald
    Gustav Peter WöhlerKriegsminister Roon
    Gabriel SchneiderJustizrat Dr. Schill
    Jens HarzerOberjustizrat Dr. Kelsen
    Aurel MantheiObergefreiter Braum/Presse
    Sandra GerlingBrigadegeneralin Darkova
    Julia Franz RichterCindy/Wachsoldatin
    Rebekka BienerEve/Soldatin
    Cino DjavidAtta/Gefangener
    Rainald GoetzAutor
    Sonstige MitwirkendeFunktion
    Dagmar TitzBesetzung

    Chor: N.N.

"Reich des Todes: was? Was soll denn das heißen? 25 Jahre 9/11. An die Weltverdüsterung erinnern, die damals, nach dem 11. September 2001, die Gesellschaften des Westens überfallen hat: den politischen Prozess vergegenwärtigen, der vom islamistischen Terroranschlag zur systematischen Folter von Gefangenen in den US-amerikanischen Lagern von Guantanamo und Abu Ghraib geführt hat. Was sind das für Menschen, in der Politik, in der Bürokratie, in der konkreten Gefängniszelle, die diese Taten Wirklichkeit haben werden lassen, aus welchen Motiven heraus? Und was sind das für Mechanismen der Macht, im jeweils einzelnen Augenblick der Interaktion, die im Ergebnis staatlich betriebene Folter als Selbstverständlichkeit etabliert haben? Am Extremfall des Versagens politischer Kontrolle im führenden Staat der westlichen Welt, in den USA, zeigt sich beispielshaft Gefährdung der Demokratie. Meine Weltsicht ist düster. Die Kaputtheit zeigen, die Nichtkaputtheit nicht. Eine vergiftete Bösartigkeit im Blick auf die Welt als Resultat der Lebenserfahrung annehmen, ist das Zynismus? Oder Weisheit? Dummheit, Neonaivität? Wir wissen zu wenig, wir müssen mehr wissen. Der Schauplatz ist der Kopf, das Innere der Gedanken, da spielt sich ALLES ab. Welcome to the final show." (Rainald Goetz) Ein Vierteljahrhundert nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wirken die politischen Erschütterungen der Nullerjahre erschreckend gegenwärtig. 9/11 markiert nicht nur eine historische Zäsur, sondern den Beginn einer bis heute andauernden Epoche, in der Ausnahmezustände, Sicherheitsversprechen und offene Machtpolitik die demokratische Ordnung des Westens nachhaltig verändern, erodieren und womöglich zerstören. Ist die Welt inzwischen noch kaputter? Rainald Goetz‘ kolossaler Text Reich des Todes, 2021 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg uraufgeführt, ist kein Dokudrama, keine historische Rekonstruktion. Bei Goetz existiert Geschichte als Gleichzeitigkeit. Er verbannt die realen Akteure - Politiker, Militärs, Juristen, Folterer - jener Jahre in einen "Hades". In diesem Schattenreich der Macht verschmelzen sie mit historischen Figuren, wie dem preußischen Kriegsminister Roon oder Dr. Schill, dem ehemaligen "Richter Gnadenlos" in Hamburg. Gedanken, Argumente und Rechtfertigungsstrategien lösen sich aus ihrer Zeit, wandern durch die Jahrhunderte, fügen sich in neue Konstellationen. Regisseur Henri Hüster hat gemeinsam mit Rainald Goetz die Hörspielfassung von Reich des Todes eingerichtet, die uns anlässlich des 25. Jahrestages der Terroranschläge vom 11. September ermöglicht, noch einmal hinabzusteigen - hinein in die Echos, die in unsere Gegenwart hineinwuchern. Mediale Artefakte, Popmusik, Walzertakte, ein Chor aus der Zwischenwelt verweben sich mit den Sprachmustern der Macht und der Stimme des Autors.

Weitere Informationen
Rainald Goetz, geboren 1954, studierte Medizin und Geschichte, lebt in Berlin. Autor der Bücher Irre, Krieg, Kontrolliert, Festung und Heute Morgen. Er erhielt u.a. den Marieluise-Fleißer-Preis 2013 und Georg-Büchner-Preis 2015. Seine Stücke wurden mehrfach für den Mülheimer Dramatikpreis nominiert. Zum Abschluss des Buchs Schlucht erschien im Frühjahr 2024 das Buch Lapidarium mit den drei Theaterstücken Reich des Todes, Baracke und Lapidarium. Reich des Todes wurde 2020 am Deutschen Schauspielhaus Hamburg uraufgeführt und danach an zahlreichen weiteren Theatern im deutschsprachigen Raum inszeniert.

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel

Produktions- und Sendedaten

  • Norddeutscher Rundfunk 2026
  • Erstsendung: 05.09.2026 | NDR Kultur | 18:04 Uhr | 114'34

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